Dublin an einem Tag - die perfekte Walking-Route

Dublin an einem Tag - das ist eine große Herausforderung, denn die Stadt hat unglaublich viel zu bieten. Viele Museen sind kostenfrei, es gibt viele Sehenswürdigkeiten und dann noch die vielen Parkanlagen, der Hafen, die Docks, die Libierties,... Bei meinem ersten Besuch in Dublin habe ich ganze fünf Tage in der Stadt verbracht! Wer aber nur einen Tag Zeit hat und trotzdem viel sehen will, schafft es auch ohne Hop-on-Hop-off-Bus, wenn man denn gut zu Fuß ist. Hier ist meine Walking-Route für Dublin an einem Tag. 

Startpunkt ist The Spire an der O'Connell Street. Das Denkmal steht seit 2003 an der Stelle der am 8. März 1966 von IRA-Mitgliedern gesprengten Nelson-Säule und heißt offiziell "Monument of light", da die Edelstahlnadel nachts beleuchtet ist. Der Norden Dublins gilt als weniger sicheres Pflaster der Stadt (was ich jedoch überhaupt nicht bestätigen kann!) und hat deshalb auch den liebevoll-ironischen Spitznamen "Stilhetto in the Ghetto". Von dort aus geht es die O'Connell Street hinunter in Richtung Liffey. Die O'Connell Street ist neben der Grafton Street Dublins größte Shoppingmeile, hier finden sich auch unzählige Restaurants und Pubs, auch in den Seitenstraßen. Außerdem findet man auf dieser Straße die größt Carols-Filiale - Irlands größter und verbreitetster Souvenirladen. Am Ende der O'Connell Street führt die O'Connell Bridge über die Liffey. Kurz vorher steht auch ein großes Denkmal des Namensgebers (ein nationalistischen Führer des frühen 19. Jahrhunderts). Die O'Connell Street ist fast 50m breit und so ist auch die Brücke eine sehr belebte und eine der schönsten, wie ich finde. In der Straßenmitte wachsen Palmen. Von der Brücke aus hat man einen tollen Blick auf den Fluss und die Stadt.  

Zur rechten Seite der Brücke führt der Bachelors Walk, ein Holzsteg, über die Liffey. Unzählige Bänke laden zum Verweilen ein, aber Vorsicht: Die Möven sind hier sehr vorwitzig. Nachts schlafen viele Obdachlose auf den Bänken, tagsüber flanieren Familien und Touristen über den Steg, aber auch Männer in Anzügen genießen hier ihre Mittagspause. Kurz vor der Ha'penny Bridge befindet sich das Verkaufshäuschen vor Dublin Discovered Boat Tours. Wer gerne auf dem Wasser unterwegs ist, sollte sich ein Stündchen Zeit nehmen und sich von der Crew stadtauswärts Richtung Docklands fahren lassen. Dublin vom Wasser aus ist sehr empfehlenswert, aber Achtung: Die Liffey endet im Meer und ist somit von Ebbe und Flut betroffen. Bei unserer Tour war das Wasser am Ende zu hoch, sodass wir nicht mehr unter den Brücken hindurch passten und rund 20 Minuten fußläufig von der O'Connell Bridge abgesetzt wurden. 

Von der O'Connell Bridge über den Bachelors Walk sind es nur wenige Schritte bis zur Ha'penny Bridge (Halfpenny Bridge), die eigentlich Liffey Bridge heißt - das sagt aber wirklich niemand. Die Fußgängerbrücke, die 1816 erbaut wurde, erhielt ihren Spitznamen nicht von ungefähr: Früher war sie die einzige Fußgängerbrücke, die die beiden Seiten Dublins miteinander verband. Wollte man hinüber gehen, musste man einen halben Penny als "Maut" bezahlen. Das muss man aber seit 1919 schon nicht mehr, und so kann man entspannt über Dublins Wahrzeichen schlendern. Auf der anderen Seite gelangt man genau gegenüber der Brücke durch einen steinernen Torborgen in das wohl beliebteste Viertel: Temple Bar!

Der Name des Viertels sorgt häufig für Verwirrung: Denn Temple Bar meint nicht nur die  wohl bekannteste Bar Dublins, sondern das ganze Viertel um die Temple Bar herum. Es war auch nicht die Bar, die dem Viertel seinen Namen gab, sondern Familie Temple um Sir William Temple (Dekan des Trinity Colleges 1609), die in dieser Gegend im 17. Jahrhundert lebte. In Temple Bar tobt das Nachtleben: Nicht nur in den unzähligen Pubs geht es lebhaft zu, auch in den Gassen, die im Gegensatz zu den umliegenden Stadtviertel noch mit Kopfstein gepflastert sind, tummeln sich Nachtschwärmer und Straßenmusiker. Am lautesten und lebhaftesten geht es in der Temple Bar am Eingang des Viertels zu. Schon von weitem leuchtet einem das Gebäude im Dunkeln entgegen. Innen zeigt  sich der Pub verzweigt, mehrere Bars und auch Innenhöfe laden allesamt gleichermaßen auf ein Pint ein: Raucher und Nichtraucher. Doch Achtung: Die Temple Bar ist der touristischte Pub ganz Irlands. Für ein Pint zahlt man hier schnell knapp acht Euro (statt wie üblich 4,50€) und eine Dose Cola kostet schlappe sechs Euro. Auch wenn Dublin etwas über den irischen Pub-Preisen liegt, ist das hier wirklich Abzocke. Waschechte Iren wird man hier deshalb auch eher nicht finden. Einmal sollte man trotzdem einen Blick hineingeworfen haben. Etwas trinken kann man ja dann wo anders,...

Rund 500 Meter von dem auch bei Tage quirligen Viertel liegt Dublins älteste der beiden mittelalterlichen Kathedralen: Christ Church Cathedral. Die frühgotische Kathedrale wurde 1980 umfangreich saniert und seit da an auch wieder für Touristen zugänglich. Allerdings müssen Besucher für den Eintritt bezahlen. Erwachsene zahlen 6,50€, Kinder unter 16 2,50€ (Stand Oktober 2017). Gläubige, die beten möchten, zahlen natürlich keinen Eintritt. Anglikanische Kirchen verlangen solche Eintrittsgelder, da der Großteil der Bevölkerung katholisch ist und anglikanische Gottesdienste deshalb weniger besucht sind und dementsprechend weniger Mitglieder haben. Sehenswert ist auch die Krypta sowie das Grabmal von Richard de Clare, einem englischen hochadeligen Kriegsherrn.

Ebenfalls in der Altstadt, genauer in der Dame Street, befindet sich nur wenige Gehminuten weiter Dublins Schloss, das Dublin Castle, das hauptsächlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammt. Einzig der große Turm, der Record Tower, stammt bereits aus dem Jahr 1226. Den Innenhof kann man kostenfrei betreten. Wer sich die Gemächer von innen ansehen möchte, zahlt für eine 70-minütige geführte Tour zehn Euro und für einen Besuch ohne Guide sieben Euro, Kinder bis zwölf Jahren sind frei (Stand Oktober 2017). Sowohl für Android, als auch für IOS gibt es eine kostenfreie App, mit der man das Schloss auf eigene Faust erkunden kann. 

Auf dem Weg zur St. Patrick's Cathedral kommt man noch einmal an der Christ Church Cathedral vorbei, lässt diese aber hinter sich und läuft einen knappen Kilometer weiter gerade aus, Schilder weisen den Weg. Die St. Patrick's Cathedral ist die größere der beiden Kathedralen der Church of Ireland und wird deshalb oft für den Bischofssitz gehalten, was jedoch nicht stimmt. Sitz des Bischofs ist die Christ Church Cathedral. Der Legende nach hat Irlands Nationalheiliger, der Heilige Patrick hier im 5. Jahrhundert in einer kleinen Kapelle Gläubige mit dem Wasser einer nahegelegenen Quelle getauft. Was für die Christ Church Cathedral gilt, gilt auch in Dublins beliebtester Kathedrale: Erwachsene zahlen sechs und Studenten und Senioren fünf Euro. Im Preis enthalten ist eine Führung.Ich habe 2015 den Eintritt bezahlt und bin nicht enttäuscht worden! Die Kathedrale präsentiert sich imposant, auch viele Statuen und Ausstellungen sowie Erklärungstafeln finden sich dort.

Der nächste Fußmarsch führt knapp anderthalb Kilometer weiter zu einer Ruheoase: Dem Stadtpark St. Stephen's Green. Der Park ist einer von vielen grünen Lungen Dublins, ich finde, er ist auch der schönste. Liebevoll bepflanzte Beete, Brunnen und Teiche lassen vergessen, dass man in Irlands hektischer Hauptstadt ist. Bänke laden zum Verweilen ein, hier kann man sich hervorragend vom Sightseeing erholen und ein Päuschen einlegen. Auch viele Skulpturen finden sich hier, wie zum Beispiel ein Triumphbogen von 1907, Fusilier's Arch, oder auch die Statue The Three Fates. Die deutschen Bundesregierung schenkte diese in den Fünfiger Jahren dem irischen Volk zur Erinnerung an die Operation Shamrock, wodurch in den Hungerjahren nach dem Zweiten Weltkrieg über 1000 Waisenkinder aus Deutschland und Österreich Aufnahme bei irischen Gastfamilien fanden.

An der Westseide des Parkes schließt sich die Grafton Street an, Dublins beliebter und bekanntester Shoppingmeile unweit vom Temple Bar Viertel. Auf der linken Seite des Parkausgangs befindet sich das große Grafton Street Shoppingcenter, welches nicht nur von Außen ein Hingucker ist. Auch wer nicht bummeln möchte, sollte einen Blick ins Innere werfen. Die Shopping Mall ist erbaut im Stil des Crystal Palace oder viktorianischer Bahnhofshallen. Vor allem in der Weihnachtszeit empfehlenswert, da nicht nur die Grafton Street, sondern auch die Mall festlich geschmückt werden. Auf der oberen Etage finden sich Kunst- und Antiquitätenhändler, ansonsten reihen sich ganz normale Läden aneinander. 

Auf in die letzte Etappe: Es geht die Grafton Street hinunter bis zum Trinity College. Das College wurde 1592 nach dem Vorbild der Universitäten von Oxford und Cambridge gebaut und zählt zu den Top 100 besten Universitäten in Europa und gilt als die beste Universität Irlands. Der Campus ist öffentlich zugänglich, schließlich findet ihr ganz normaler Uni-Alltag statt. Empfehlenswert ist auf jeden Fall eine geführte Tour, bei der die verschiedenen Gebäude erklärt und Anekdoten zum Besten gegeben werden. Berühmte Absolventen sind unter anderem der Nobelpreisträger Samuel Beckett und der Schriftsteller Oscar Wilde. Wer sich den berühmten Long Room in der Bibliothek oder die Ausstellung zum Book of Kells ansehen möchte, der muss Eintrittskarten erwerben. 

Wer sich am Haupteingang des Colleges beim Verlassen rechts hält, kommt über die O'Connell Bridge zurück zum Ausgangspunkt der Walking Route. Dort schließt sich der Kreis und man hat die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu Fuß abgeklappert und kann das geschäftige Treiben miterleben. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann natürlich eine der typischen Hop-on-Hop-off-Bustouren mitmachen und hat so mehr Zeit für Eintritte, Führungen oder Shopping. Für Attraktionen weiter außerhalb wie den Phoenix-Park und das Guiness Storehouse bleiben am Ende des Stadtmarsches keine Zeit mehr. Wer wirklich alles schaffen will, sollte mindestens drei Tage einplanen, denn alleine im Guiness Storehouse kann man locker einen halben Tag verbringen. Wer in der Skybar bei mehreren Guiness versackt sicherlich einen ganzen. Ich denke, man kann auf jeden Fall fünf Tage in Dublins Hauptstadt verbringen, dann hat man Zeit für einen Tagesausflug zu einer der beliebten Küstenorte Bray oder Howth, kann gemütlich durch die Museen schlendern, länger im Park verweilen und viele Sehenswürdigkeiten von Innen bestaunen. Diese Route kann natürlich abgewandelt werden und ist nur eine Empfehlung meinerseits. Bei meinem letzten Besuch in Irlands Hauptstadt im September 2017 mit meiner Mama sind wir genau diese Route abgelaufen. Wir waren insgesamt acht Stunden unterwegs, denn wir haben noch eine Bootstour auf der Liffey gemacht, waren Kaffeetrinken und auch in dem ein oder anderen Laden. Deshalb: Gute Schuhe nicht vergessen! :-) 

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