Kassensturz: Was kostet eigentlich die Welt?

Reisen ist so teuer! Wie kannst du dir das eigentlich ständig leisten, deine Trips durch Europa? Das werde ich ziemlich oft gefragt. Und deshalb habe ich beschlossen, hier für euch mal einen Kassensturz zu machen. 

Nordirische Pfund aus Derry.
Nordirische Pfund aus Derry.

August: eine Woche Gran Canaria

September: drei Tage London

Oktober: vier Tage Prag

Dezember: drei Tage Dublin

 

Wenn ich mir das jetzt einmal bewusst mache, sieht das schon ziemlich krass aus. Und das als Student, die ja als chronisch-pleite gelten, weil das Bafög nicht reicht. Doch dazu gleich erst mal vorweg:

Ich bekomme einen hohen Bafög-Satz, Kindergeld und habe aktuell zwei Nebenjobs in diesem Semester: Ich arbeite als studentische Mitarbeiterin in der Pressestelle meiner Hochschule sowie in unserem Studentencafé hinter der Theke. Ab und an frischt ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger zusätzlich die Reisekasse auf. Hinzu kommt, dass meine Miete hier in Magdeburg verhältnismäßig für meine recht große erste Wohnung eher gering ist. Weil Wochenendtrips nun einmal kosten und ich ja auch noch die Pendelei zwischen Magdeburg, Bergisch Gladbach und Erlangen an der Backe habe, muss ich natürlich an anderen Ausgaben sparen. So gehe ich bspw. nicht wie meine Kommilitonen mehrmals die Woche feiern und spare mein Geld auch, in dem ich mich gemütlich bei einer Flasche Hugo mit Freundinnen Zuhause treffe, statt regelmäßig in Bars zu gehen. Ins Kino gehe ich (aber eigentlich schon immer) nur dann, wenn ich den Film hundertprozentig sehen muss, wie z.B. bei der neuen Reihe der Harry Potter Filme :-)! Und auch ob ich wirklich dieses schöne T-Shirt von h&m oder den tollen Pulli bei Taylor kaufen muss, überlege ich mir dreifach. Wofür man sein Geld ausgibt, bestimmt schließlich jeder für sich. Prioritäten setzen nennt man das. (Eine Kommilitonin hat dazu auf ihrem Blog übrigens auch schon einmal einen passenden Kommentar verfasst, lest doch mal hier.)  

Einmal einen 1.000er besitzen - bei den Tschechen ist das möglich! (Umgerechneter Wert etwa 35€)
Einmal einen 1.000er besitzen - bei den Tschechen ist das möglich! (Umgerechneter Wert etwa 35€)

Prioritäten setze ich übrigens auch beim Reisen. Muss es das Fünf-Sterne-Hotel in der Altstadt von London sein? Muss ich jeden Abend in den angesagtesten Burgerläden essen gehen, oder habe ich vor Ort die Möglichkeit selber zu kochen? Denn auch das hat alles Auswirkungen auf die Gesamtkosten. Ich spare z.B., in dem ich versuche, möglichst preiswert zu schlafen und da sind Hostels gerade in großen Städten wirklich die billigere Alternative. Es muss ja nicht gleich das gemischte 12er Zimmer sein. Ein 6er bis 8er Damenschlafsaal reicht ja für den Anfang. Und sie sind eine gute Idee für Trips, die man alleine macht, so wie bspw. London. Wenn man im Zimmer niemanden zum quatschen hat, spätestens beim Kochen oder im Aufenthaltsraum findet sich immer jemand.

Für den das Hostel-Leben nichts ist, kann sein Glück ja auch immer noch auf Airbnb oder Couchsurfing versuchen. Auf Airbnb finden sich häufig preiswerte Wohnungen von Privatleuten, für deren Preise man sonst nicht im Hotel unterkommen würde. Couchsurfing, also auf dem Sofa oder dem Notbett kostenlos bei Fremden übernachten, habe ich selber noch nicht ausprobiert, viele meiner Freundinnen und Reise-Bekanntschaften aus Irland schwören aber darauf. Das Gute an Hostels ist außerdem, dass sie große und meist gut ausgestattete Küchen haben und man so auch beim Abendessen sparen kann. Ich bin außerdem ein Fan von den guten alten Lunchpaketen, auch beim Reisen: Eine Packung Brot / Bagels etc. plus eine Sorte Aufschnitt sowie etwas Obst und unbedingt Wasser, kaufe ich vor Ort immer und packe mir dann täglich ein, was ich brauche. Das spart den Gang zum MCs, falls einen schon vor dem Abend der Hunger überkommt. 

 

Einen weiteren Vorteil, den ich habe, ist mein Studentenleben. Dank wochenlanger Semesterferien bin ich zeitlich natürlich viel flexibler, als während meiner Ausbildung. Und wenn die Flüge / Züge in der Woche mit den Vorlesungen doch billiger sind, kann ich sie auch mal dahin verschieben. Eine Vorlesung kann man ja mal verpassen,... Vor allem aber ein Hoch auf die Billigfluganbieter wie Ryanair, die vor allem Trips innerhalb Europa überhaupt so günstig machen. Für zwei bis vier Tage komme ich auch super mit meinem Handgepäckrucksack aus, was die Kosten für Gepäck natürlich vermeidet und die Flüge günstiger werden lässt. Ich packe dann eben nur das nötigste an Kleidung ein. Handtücher und Co. bleiben natürlich auch Zuhause, in den Hostels kann man sie meist für einen Euro dazubuchen. 

 

All diese Faktoren spielen eine große Rolle, denn ohne diese Dinge wären meine Kurztrips nicht möglich gewesen. Aber jetzt mal Butter bei die Fische und ab zum "Kassensturz". Hier will ich euch einen groben Überblick geben, was solche Trips ungefähr kosten.

 

London

Reisezeitraum 06. bis 08. September 2016
Flug mit Ryanair

Hin: 9,99€

Rück: 21,99€ 

Unterkunft Hostel 2 ÜN zu je 22€

öffentliche Verkehrs-

mittel vor Ort 

etwa 15€ (man kann London nicht zu Fuß schaffen! :-D)

Sonstiges

Flughafen  London-Stansted liegt etwa eine Stunde vom Zentrum.  Hin- und Rücktransfer von und zum Flughafen 20€

Summe

110,98€

Prag

Reisezeitraum 28. bis 31. Oktober 2016
Flixbus + DB

Hin: 22€

Rück: 18€ 

Unterkunft Airbnb 3 ÜN, ins-gesamt 44€ (p.P.)

öffentliche Verkehrs-

mittel vor Ort 

ca. 10€

Wir brauchten ein 3-Zonen-Ticke, da wir außerhalb gewohnt haben, das kostete jeweils 0,80€. 

Sonstiges

 

Summe

94€

Dublin

Reisezeitraum

16. bis 18. Dezember 2016

Eurowings, Ryanair

Hin: 33,99€

Rück: 39€ 

Unterkunft Hostel Privatzimmer für 4 p.P. 2 ÜN zu je 28€ (p.P.)

öffentliche Verkehrs-

mittel vor Ort 

voraussichtlich keine, auch im März habe ich keine

Sonstiges

 10€ Hin- und Rücktransfer von und zum Flughafen

Summe

82,99€

Natürlich kommen vor Ort noch Kosten für Essen und sonstige Ausgabe wie Postkarten, Souvenirs, Eintrittsgelder dazu, aber auch hier achte ich auf mein Geld. Das mit dem Essen bspw. habe ich oben ja schon erklärt. Ich kalkuliere meist grob mit 10€ Essen pro Tag und 10€ für den Rest, sodass ich auf die Gesamtsummen ungefähr etwa noch 50€ draufschlagen würde, sodass man im weitesten Sinne mit etwa 150€ pro Trip auskommt. Das kommt ja auch immer noch mal auf die Stadt an. London war natürlich vor Ort teurer als Prag. Dublin steht ja noch an, wird sich denke ich aber theoretisch zwischen beiden Städten befinden. Am meisten spare ich in der Regel an Eintrittsgeldern. Bei einem Kurztrip von zwei bis drei Tagen ist man meist sowieso erst einmal damit beschäftigt, durch die Stadt zu laufen und sich alles anzuschauen. Um bspw. London von oben zu sehen, muss ich nicht mit dem London Eye fahren, sondern kann das auch von Aussichtspunkten auf den Hügeln um London herum. Eine Stadtführung muss nicht teuer werden, wenn man nach sogenannten Free Walking Tours Ausschau hält, bei denen sich meist Studenten als kostenlose Reiseführer anbieten. Am Ende gibt ein jeder, was er will oder kann in den Klimperhut. Oft gibt es hier nicht nur die obligatorische Stadtführung entlang der Touri-Attraktionen, sondern viele bieten diese Touren nach bestimmten Themen an. So gab es in London bspw. eine Jack the Ripper- und eine Harry Potter-Tour, oder auch Führungen nur durch bestimmte Stadtteile. In Belfast, Nordirland, gab es geschichtliche Führungen oder auch Graffiti-Touren. 

  

Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen nahe bringen, wie ich mir das Ganze finanziere und das Reisen nicht zwangsläufig in überteuerten Luxus ausarten muss. Das kommt eben wie aufgeführt auf viele Kleinigkeiten, aber vor allem auf Prioritäten an. Und natürlich auf einen selbst, denn nicht jeder ist ein Hostel-Typ und auch nicht jeder ist zeitlich so flexibel. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Liz (Mittwoch, 19 April 2017 16:01)

    Liebe Tina,
    Wir dürfen jetzt alle mal applaudieren, da ich es ja nun endlich mal geschafft habe, einen Kommentar da zu lassen �
    Erstmal bin ich immer noch so beeindruckt von deinem schönen Blog! Ich mag deine Art die Dinge zu erzählen und zu beschreiben. Da ließt man unheimlich gerne.
    Und auch deine Themen sind gut gewählt!
    Dieser Artikel hat mir aus sehr gut gefallen.
    Wir beide kennen das Thema: Boah, die fährt da und da hin und das als Student? ja eh ;) obwohl andererseits ja nicht alle so sparsam sind.

    Ich finde es gut, dass du das auch mal ein bisschen aufgeschlüsselt hast und erklärt hast wie du vorgehst. :)
    Vielleicht können wir für Stuttgart zB auch mal was umsetzen, denn 2017 wird bei mir ganz schön Festival-lästig von Nord bis Süd durch Deutschland ☺️

    Alles Liebe Liz �