Money, money, money - Kosten und Finanzierung eines Auslandpraktikums

Heute vor einem Jahr hatte ich meinen ersten Arbeitstag im Auslandspraktikum. Zeit Bilanz zu ziehen und euch zu zeigen, was meine Zeit im Ausland gekostet hat, vor allem aber auch zu erklären, wie man sich sein Auslandssemester finanzieren kann. 

Platz an der Sonne - nach der Arbeit an den Strand.
Platz an der Sonne - nach der Arbeit an den Strand.

Drei Monate Spanien - mal eben so, weil die Studienordnung das so vorsieht im vierten Semester. Als typische chronisch-pleite Studentin, die am Ende des Geldes noch so viel Monat vor sich hat, habe ich totale Panik geschoben, dass ich in Spanien von Nudeln mit Tomatensoße leben muss und als mittellose Studentin wieder nach Hause komme. Ich habe mir extra zwei Nebenjobs gesucht, um auf jeden Fall genug Geld zu haben - gleich vor ab: Das hat mir zwar ein sicheres Gefühl gegeben und für gute Rücklagen gesorgt, wäre aber nicht nötig gewesen. 

 

Aber der Reihe nach. Schon bevor ich meine Praktikumszusage hatte, habe ich mich vorab schlau gemacht, welche Förderungsmöglichkeiten es für mich gibt. Da ist zum einen Erasmus+ für Auslandssemester bzw. -praktika und zum anderen Auslandsbafög. Beides habe ich in einem älteren Beitrag darüber, wie man sein Auslandspraktikum organisiert, ausführlicher erläutert, das könnt ihr hier nachlesen. Da ich mich rechtzeitig um alle Anträge gekümmert habe, hatte ich beide Bescheide über die Höhe der Förderung schon vor meinem Praktikum - was die Planung zu hundert Prozent erleichtert und vor allem das Gefühl von finanzieller Sicherheit gibt. Deswegen kann ich nur immer wieder predigen: Kümmert euch rechtzeitig um einen Praktikumsplatz, damit ich so früh wie möglich den Papierkram hinter euch bringen könnt.

Förderung insgesamt monatlich
Erasmus+ 800 Euro (10€/Tag) 266 Euro
Auslandsbafög  2.100 Euro 700 Euro
Kindergeld 540 Euro 180 Euro
  3.440 Euro 1.146 Euro

Hätte ich vorher gewusst, wie viel Geld da für die drei Monate zusammen kommt, hätte ich mir gar nicht so gestresst und parallel zu meinem Studium zwei Nebenjobs gemacht - aber da ich ein Stressmensch bin, der sich ständig und wegen allem verrückt macht, kann ich wahrscheinlich einfach nicht anders. Hätte, hätte, hätte - so konnte ich immerhin etwas weglegen und habe nun ein gutes Polster für Notfälle - wer weiß, was der nächste Inlandsbafög-Bescheid für Horrormeldungen bringt. Der ein oder andere von euch kennt das sicher, eine niemals endende Leidensgeschichte.  Doch zurück zum Thema, knapp 1.500 Euro monatlich ist ein ordentliches Stück! Mit dem Geld kann man schon mal leichtsinnig werden und auf der hohen Kannte leben. Und ich habe definitiv nicht schlecht gelebt in Spanien - den ein oder anderen Hunderter hätte ich locker sparen können, vor allem, da ich normalerweise überhaupt nicht mit Geld um mich schmeiße. Aber man ist ja schließlich nur einmal jung und im Ausland... Aber trotzdem schon mal vor ab: Das war für mich auch nur mit meinem Gewissen vereinbar, weil ich wusste, dass ich in Deutschland in meinem Folgepraktikum immerhin ein wenig Geld verdienen würde und dank der Nebenjobs Rücklagen habe, an die ich nicht rangegangen bin. 

Zurück zum Wesentlichen: Was kostet ein dreimonatiger Aufenthalt in Spanien eigentlich?

Ich hatte Glück, eine Wohnung wurde mir gestellt, sodass die Ausgaben für Miete eigentlich weggefallen wären. Eigentlich, denn aufgrund dieser besonderen Situation, habe ich mich dafür entschieden, meine Wohnung in Magdeburg in der Zwischenzeit nicht nur vermieten, da die Miete verhältnismäßig gering ist und sich fast komplett von meiner Erasmus+ Förderung finanzieren ließ. Ob das sinnvoll ist oder nicht, darüber lässt sich streiten, in meinem Umfeld haben viele verständnislos den Kopf geschüttelt und gesagt, dass ich das Geld ja auch sinnvoller ausgeben könnte. Das ist Ansichtssache, denn ich finde, wenn ich dafür niemand Fremdes in meiner neu eingerichteten Wohnung habe und alle meine persönlichen Dinge dort lassen konnte, ohne wieder Umzugskartons zu schleppen, ist das sinnvoll angelegtes Geld.   

Spanien gilt laut Erasmus-Berechnnung der drei Länderkategorien (teuer, mittelteuer, günstig) als mittelteuer, weshalb der Tagessatz der Förderung geringer ausfällt, als beispielsweise für skandinarvische Länder, die als teuer eingestuft sind. Doch günstiger als in Deutschland ist das Leben hier nicht in allen Bereichen. Ein Vergleich:

Produkte/Dienstleistungen
Spanien
Produkte/Dienstleistungen
Deutschland
Tramfahrt Villajoyosa - Alicante (1 Stunde, ca. 35km)  2,50 Euro S-Bahnfahrt Bergisch Gladbach - Köln (20min, ca. 20km) 3,80 Euro
Shampoo, Haarpflegeprodukte Durchschnittspreis 3 bis 4 Euro Haarpflegeprodukte Eigenmarkten der Drogerien 1 bis 2 Euro
Hygieneartikel für das monatliche Frauenleid  4 Euro Hygieneartikel (Eigenmarken)für das monatliche Frauenleid  1 bis 2 Euro 
1L Milch  0,80 Euro  1L Milch  0,55 Euro
8L Wasserkanister  0,70 Euro  /
 1 Kugel Eis 1,30 Euro  1 Kugel Eis 1 Euro
Auswärts Essen gehen (Hauptgericht wie Pizza + 1 Glas Wein)

unter 10

Euro

Auswärts Essen gehen (Hauptgericht wie Pizza + 1 Glas Wein)

ca. ab 15

Euro

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Spanien auf jeden Fall günstiger.Fahrten mit der Bahn durch Spanien sind verhältnismäßig teuer, so wie Fahrten mit der Deutschen Bahn. Inlandsflüge dagegen sind in Deutschland günstiger - in Spanien sind diese nur teilweise gut ausgebaut. Busfahrten quer durch Spanien dauern lange, kosten aber weniger. Frisches Obst und Gemüse und auch Fisch sind günstiger als in Deutschland. Nicht zwangsläufig in jedem Supermarkt, aber vor allem auf den Wochenmärkten. Hygieneartikel aller Art sind in Spanien ebenfalls teurer, aber da ist Deutschland im europaweiten Vergleich einfach wirklich günstiger. 

Was man in Spanien definitiv günstiger kann: Auswärts Essen gehen! Natürlich muss man beachten, dass ich nicht in einer spanischen Metropole, sondern einem kleinen Fischerdorf gewohnt habe. Aber auch in großen Städten, wie bspw. Malaga, haben wir bspw. für Burger + einen halben Liter Sangria 10 Euro bezahlt. In Villajoyosa waren wir sehr häufig am Strand in einem der kleinen Bistros essen. Bocadillos (ganze Baguettes mit Tortilla, Hähnchen, Salat, etc.) gibts ab 3 Euro, Pizza ab 5 Euro, ein Glas Wein für 2 bis 3 Euro. Und jetzt Hand aufs Herz: Meine Ausgaben in einer Tabelle für euch zusammen gefasst. Wie schon gesagt, ich habe auf hohem Fuß gelebt und mein monatlich mir zur Verfügung stehendes Geld komplett ausgegeben. Man braucht auf jeden Fall weniger, z.B. habe ich sehr viel Geld für Reisen ausgegeben, ein Drittel etwa. Denn ich habe sehr viele Tagesausflüge gemacht und mehr oder weniger die ganze Costa Blanca gesehen sowie die großen Städte Alicante, Barcelona, Madrid, Malaga, Valencia. Das waren dann Wochenendtrips bzw. über verlängerte Wochenenden. 

Ausgaben Euro
Versicherungen (vorab, einmalig) 96,-
Unterkunft (Miete) 270,-
 Flüge (An-/Abreise) 80,- / 100,-
Verpflegung (monatlich, geschätzt) 200,-
Reisen (monatlich,für z.B. Inlandsflüge, Unterkünfte, Bus/Bahn, Tagesausflüge, Eintrittsgelder,...) 500,-
Sonstiges (Shoppen, Ausgehen, Spirt,...) 150.-

Keine Angst vor Kosten - im Vorfeld genau nachfragen

Wer mich kennt, weiß, dass ich ei sparsamer Mensch bin und Geld mein ständiger Sorgenbegleiter ist. Mir immer Kopfzerbrechen bereitet. Deshalb sage ich das wirklich nicht leichtfertig: Macht euch nicht zu viele Sorgen um die Kosten! Wer sich im Vorfeld um die Förderung kümmert, seine Wohnung ggf. vermietet und mit dem Arbeitgeber vor Ort verhandelt (über eine evtl. kostenfreie Wohnung, sonstige Sachgüter oder ein kleines Taschengeld), der kann auf jeden Fall einige Zeit im Ausland überleben, ohne ans Ersparte zu müssen. Das International Office eurer Hochschule/Universität ist da immer ein erster Ansprechpartner, ebenso wie die Leonardo-Büros (zuständig für die Erasmus+ Förderung,jedes Bundesland hat ein solches Büro. Zuständig für Sachsen-Anhalt ist z.B. das Leonardo-Büro an der OvGU). 

Wie organisiert man so einen Auslandsaufenthalt?

Dieser Frage habe ich mich vor meinem Auslandspraktikum ausführlich gewidmet und bereits einen langen Beitrag zu diesem Thema verfasst. Den könnt ihr hier nachlesen. Dort gehe ich auch ausführlicher auch Förderungsmöglichkeiten ein. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Marie (Samstag, 16 Juni 2018 13:05)

    Meine Tochter mach ihr Auslandspraktikum auch in Kürze!
    Danke für deinen tollen Beitrag!
    Beste Grüße und alles Liebe für Deine Zukunft.

    Marie von der Rhetorikkurs Schule Berlin
    http://deutsche-rednerschule.de/