Nach der Arbeit an den Strand - Arbeiten und Wohnen an der Costa Blanca

Mehr als die Hälfte meiner Zeit bei den Costa Blanca Nachrichten im Süden Spaniens ist schon rum. Doch wie arbeitet und lebt es sich eigentlich an der Costa Blanca? Was mache ich eigentlich die ganze Woche in meinem Praktikum? Würde ich es empfehlen? Antworten auf alle Fragen gibt es in der heutigen Zwischenbilanz. 

Das Verlagsgebäude liegt im Industriegebiet von Finestrat.
Das Verlagsgebäude liegt im Industriegebiet von Finestrat.

Vor meiner Abreise hatte ich, wie vermutlich viele meiner Kommilitonen, doch ein bisschen Muffensausen. So viele Fragen, die mir niemand beantworten konnte. Ob die Kollegen nett sind`? Hoffentlich muss ich nicht nur Kaffeekochen! Reicht mein Spanisch aus? Wie wohl meine Mitbewohner sind`? Um Gottes Willlen - Autofahren in Spanien? Alle möglichen Gedanken schossen mir durch den Kopf. Gleich nach der ersten Woche wusste ich, sämtliche Zweifel hätte ich mir sparen können. Ich liebe mein Praktikum! Ich hätte es wirklich nicht besser antreffen können. 

 

Getreu dem Motto, erst die Arbeit und dann das Vergnügen, erst einmal zu meiner Arbeit: Es arbeitet sich hervorragend an der Costa Blanca! Die Costa Blanca Nachrichten erscheinen wöchentlich und beschäftigen sich mit den Themen der kleinen Gemeinden entlang der Küste und umfasst die Städte von Dénia im Norden bis Torrevieja im Süden. Angst vor den typischen Kanichenzüchtervereinen hatte ich natürlich schon, doch die Themen sind viel spannender als erwartet. Hauptsächlich übersetzt man spanische Pressemeldungen ins Deutsche, um daraus für die Leser eine Kurzmeldung zu machen, schreibt Veranstaltungstipps und die Aufmacher für die Lokalseiten. Dabei erfährt man gerade im kulturellen Bereich unglaublich viel. Flohmärkte, Traditionsfeste, Festivals, Bräuche und Co. - da weiß ich oft gar nicht, wo ich zuerst hinfahren soll. Auch Korrekturlesen und Umfragen auf der Straße bzw. am Strand gehören dazu - nichts mit Kaffeekochen! Natürlich geht nicht alles über Pressemitteilungen.

Interview mit der Künstlerin Nora Bilderwelten  in Begleitung von CBN-Fotograf Ángel García.
Interview mit der Künstlerin Nora Bilderwelten in Begleitung von CBN-Fotograf Ángel García.

 Für die Aufmacher bin ich jedes Mal eigenständig oder in Begleitung unseres Fotografen unterwegs, um vor Ort zu recherchieren und mir ein Bild zu machen. So sieht man auch während der Arbeitszeit viel von der Gegend. Vor allem weil unser Fotograf Ángel, sofern es sein vollgestopfter Zeitplan zulässt, auch gerne für einen Fotostopp anhält oder sonstige nützliche Tipps mit auf den Weg gibt. Spanisch muss man nicht fließend sprechen können, aber man sollte auf jeden Fall Grundkenntnisse haben. Zwar sind viele Interviewpartner deutsche Auswanderer, aber spätestens wenn Pressemitteilungen bearbeitet werden müssen, könnte es schwierig werden. Google Übersetzer ist nicht immer die größte Hilfe. Aber die Kollegen helfen immer gerne, nicht nur beim Übersetzen. Es ist ein eigeschweißtes Team und es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Bis auf den Fotografen sind es allesamt Deutsche. Da im selben Großraumbüro aber auch die Kollegen für die englische Ausgabe sitzen, kann es schon einmal zum Sprachwirrwarr kommen. Spätestens dann, wenn sich in der Mittagszeit auch die spanischen Kollegen aus der Technik, Marketing und Co. dazugesellen. Wer sein Spanisch verbessern will, abseits der Termine, findet in Fotograf Ángel einen bereitwillen Lernpartner. Der gebürtige Alicantiner spricht zwar auch Französisch und Englisch, versucht es aber immer erst einmal auf Spanisch, nimmt dabei in der Schnelligkeit jedoch keine Rücksicht auf Sprachanfänger. Dass in der Gegend hier neben dem Castellano, dem Spanisch wie wir es kennen, auch noch der Dialekt Valenciano gesprochen wird, ist absolut kein Problem. Zwar verwirrt es häufig, wenn man einen spanischen Straßennamen sucht, aber nur den valencianischen findet, die Einwohner sprechen meist beide Sprachen. Schwieriger wird es da mit dem Englischen. Trotz Tourismusmassen wird hier wenig oder nur schlecht Englisch gesprochen.

Mein Arbeitsplatz bei den deutschen Redakteuren - alle anderen waren gerade in der Mittagspause. :-)
Mein Arbeitsplatz bei den deutschen Redakteuren - alle anderen waren gerade in der Mittagspause. :-)

Die Arbeitszeiten sind auch in Ordnung. Montag bis Mittwoch arbeitet man im Schnitt von 9.30 Uhr bis 17/18 Uhr, donnerstags ist nach der Redaktionskonferenz gegen 16 Uhr und freitags um die Mittagszeit Schluss. Zeit für ein langes Wochenende! Während es unter der Woche oft nur für einen kurzen Aufenthalt am Strand reicht, lädt das Wochenende zum Faulenzen am Mittelmeer ein. Der Stadtstrand an der Promenade Villajoyosas ist nur knapp 20 Gehminuten entfernt. Mit dem Redaktionsauto, das den Praktikanten zur Verfügung gestellt wird, auch am Wochenende, sind es sogar nur fünf Minuten. Dass Praktikanten das Auto zur Verfügung haben ist ein großer Vorteil. Nicht nur erleichtert es unter der Woche den Arbeitsweg (15 Autominuten statt 30 Minuten Tramfahrt), sondern ermöglicht am Wochenende viele Trips entlang des Einsatzgebietes an der Costa Blanca. Zum Dünenstrand in den Norden nach Dénia`, zu den rosafarbenen Salzseen nach Torrevieja im Süden oder Gro´ßstadtluftschnuppern in Alicante und Valencia ist so viel einfacher machbar als mit der Tram, die oftmals lange fährt, dann doch nicht überall anhält. Aber auch der Heimatort auf Zeit, Villajoyosa, hat neben Stein- und Sandstränden einiges zu bieten: Kleine Boutiquen laden zum Bummeln ein, unzählige Bars locken mit Sangria und auch ein Schokoladenmuseum mit eigenem Laden gibt es. An ein Leben an der Costa Blanca könnte ich mich gewöhnen: fast täglich wolkenloser, blauer Himmel, Sonne satt von morgens bis abends und vom Küchenfenster aus sieht man das Meer. Manche Orte werben mit urigen Gassen mit weißen Häusern, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen - die Region ist eine Touristenhochburg, Bettenburgen nehmen an vielen Orten die Sicht aufs Meer. 

Altea, Costa Blanca.
Altea, Costa Blanca.

Unter der Woche hat sich eine Routine eingestellt. Nach der Arbeit geht's an den Strand. Falls nicht mehr so viel Zeit bis zum Sonnenuntergang ist, schafft die Dachterasse mit Meerblick Abhilfe. Ansonsten machen wir, ich teile mir die Wohnung mit zwei anderen Praktikanten, ganz alltägliche Dinge: Einkaufen, (gemeinsam) Kochen, Zusammensitzen und Wein trinken, spanisches Fernsehen schauen, Bummeln durchs Shoppingcenter. Ich bin im Fitness-Studio im Nachbarort angemeldet, Mitpraktikantin Joana in der Tanzschule gegenüber. Mit Urlaubstagen ist die Redaktion großzügig, sodass auch verlängerte Wochenendtrips machbar sind. 

 

Allen zukünftigen Journalisten oder solchen, die es noch werden wollen, kann ich ein Praktikum bei den Costa Blanca Nachrichten in Finestrat nach meinen ersten zwei Monaten mehr als nur empfehlen. Man arbeitet eigenverantwortlich, kann auch selber Themen vorschlagen, lernt getreu dem Motto "learning by doing". Was ich gelernt habe: Keine Angst vor dem weißen Blatt, man kann immer aus allem eine Story machen, und wenn es nur eine kleine ist. So sammelt man viel Erfahrung und vor allem Arbeitsproben. Das Arbeitsumfeld ist klasse. Man merkt, dass alle gerne für die Zeitung und an der Costa Blanca arbeiten. Einziger Wehmutstropfen: Das Verlagsgebäude liegt im Industriegebiet von Finestrat, einem Stadtteil von Benidorm. Von Außen gleicht es einer Lagerhalle, auch innen hat es nicht besonders viel Charm und nur kleine Fenster, die meist von dunklen Rollos verdeckt sind, sodass sich das Gefühl von Arbeiten im Keller einstellt. Auch bei 25 Grad Außentemperatur bleibt es Innen oft deutlich kühler. 

Zwar gibt es keinen Lohn, dafür werden die Wohnung und das Auto zur Verfügung gestellt. Die Wohnung ist komplett ausgestattet, hat drei Schlafzimmer, eins mit eigenem Bad, ein zweites Bad für die anderen Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer und einen Wintergarten mit Blick auf die umliegenden Berge. Bettwäsche, Küchenutensilien, Handtücher, Waschmaschine und Trockner. Auch fürs Essen ist größtenteils gesorgt: Die Kollegen haben viele Freunde, die frische Orangen und Hühnereier aus Eigenanbau/-zucht anbieten. Wenn die Lieferungen wieder in der Redaktion eintreffen, muss man schnell sein. :-)

 

Damit ihr einen Einblick bekommt, was ich hier eigentlich so aufs Papier bringe, könnt ihr euch einige meiner Artikel als PDF-Dokumente herunterladen. 

 

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Download Kulturseite Baztan-Trilogie
In meiner zweiten Woche habe ich den Aufmacher für die Kulturseite geschrieben über die spanische Thriller-Autorin Dolores Redondo und ihre Baztan-Trilogie, die auch in Deutsch erhältlich ist.
CBN_1735_Kulturaufmacher_Baztan_Trilogie
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Download Kulturseite Nora Bilderwelten
Einen Nachmittag verbrachte ich bei der Künstlerin Nora Bilderwelten. Die gebürtige Berlinerin macht digitale Kunst - auch für sie gab es die Kulturhauptseiten.
CBN_1737_Kulturaufmacher_Nora_Bilderwelt
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Download Lokalteil Rettungshunde
Hauptsächlich schreibe ich aber die Aufmacher für den Lokalteil, so wie diesen, die etwas kleiner sind. Hierfür war ich mit unserem Fotografen beim Training der Rettungshunde des spanischen Militärs.
CBN_1737_Rettungshunde.pdf
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