Kein Baum zum Erhängen - Willkommen im Burren

Rund zwei Jahre ist es jetzt her, dass ich meinen Work-and-Travel-Aufenthalt durch Irland und Schottland angetreten habe. Diese sechs Monate waren definitiv der Auslöser für mein ständiges Fernweh und vor allem für meine Liebe zur grünen Insel, die mir ein zweites Zuhause geworden ist. Vor allem Ballyvaughan, ein kleines Dörfchen an der Westküste, in der Burren-Region. Beides möchte ich euch hiermit einmal zeigen und Lust auf einen Besuch machen. 

Ortsschild von Ballyvaughan am Ortseingang.
Ortsschild von Ballyvaughan am Ortseingang.

Ballyvaughan ist ein kleines Dörfchen im County Clare, an der Westküste Irlands. Es gibt einen mini Supermarkt, zwei Touri-Shops, drei Pubs und etwa genau so viele Unterkünfte. In einer davon, dem Bed & Breakfast Cappabhaile House, habe ich während meiner Zeit in Irland sechs Wochen gearbeitet. Und mich unsterblich verliebt in die Landschaft. Denn Ballyvaughan liegt mitten in der Burren Region, einer kargen Steinlandschaft, die aussieht wie eine Mondlandschaft. Grauer Kalkstein so weit das Auge reicht und weit und breit keine Bäume. Im 17. Jahrhundert soll Cromwells General Edmund Ludlow über den Burren gesagt haben: "Kein Baum, um einen Mann zu hängen; kein Wasser. um ihn zu ertränken und nicht genug Erde, um ihn zu begraben". Auch wenn es abschreckend klingt, besser hätte auch ich es nicht beschreiben können. Dieses Zitat haben wir im Mai 2015, als meine Freundin und ich dort gewohnt haben, regelmäßig voller Freude verwendet - denn gerade diese Kargheit, macht diese Landschaft so besonders!

Ballyvaughan grenzt an der einen Seite an die Galway Bay. Im Landesinneren reizen kleine Sandbuchten mit dem Blick aufs offene Meer, denn abgesehen von den Arran Islands vor Irland kommt kilometerlang nur Meer, bis es irgendwann auf Amerika trifft. Auf den anderen Seiten liegt Ballyvaughan von Bergen umgeben. Berge, die ebenfalls nur aus dem grauen Stein bestehen. Überall hindurch schlängeln sich von Hand gebaute uralte Steinmauern. Wer auf der Suche nach verfallenen Ruinen ist, wird hier fündig. Zerfallene Steinhäuser, umsäumt von kaputten Steinmauern oder keltischen Steinkreisen. Diese Gegend fasziniert! Wer sich genauer an die Ruinen heranwagt, findet vielleicht noch das ein oder andere Überbleibsel, das dort langsam aber sicher von der Natur zurück geholt wird. 

Paulnabrone Dolmen ragt  aus der kargen Landschaft heraus.
Paulnabrone Dolmen ragt aus der kargen Landschaft heraus.

Die Gegend um Ballyvaughan hat, obwohl es noch nicht einmal 250 Einwohner zählt, einiges zu bieten. Der Burren ist bekannt für deinen Dolmen, den Poulnabrone Dolmen, ein Megalithgrab. Diese Gräber waren typisch für die Jungsteinzeit und Bronzezeit. Mitten im kargen Nichts ragt der Dolmen wie ein großer Steintisch hervor. Auch das Caherconell, ein altes Steingrab, lockt mit vielen grauen Steinresten. Leider sind die Mauern des Steinforts nur teilweise erhalten, an einigen Stellen sind sie jedoch noch fast drei Meter hoch und genau so dick. Das Fort hat einen Durchmesser von rund 50 Metern. Vor Ort erzählen Audio-Guides geschichtliches zum Burren und dem Fort.

Ein ganz anderes Highlight ist die Allwee Cave und das Birds of Prey Educational Center. Die Höhle ist Zuhause für unzählige Stalagmiten und Stalagtiten. Eine geführter Tour führt fast anderthalb Kilometer durch die Erde, vorbei an einem unterirdischen Wasserfall. Die Höhle liegt mitten im Birds of Prey Educational Center, einem Vogelpark. Hier leben diverse Eulen, Falken und andere Raubtiere, sogar ein Weißkopfseeadler. Mehrmals täglich gibt es Flugshows mit den Vögel, einige Gäste haben jeweils am Ende die Möglichkeit, eines der Tiere auf den Arm zu nehmen, sofern die Tiere mit den Leckerchen zu ködern sind. Als ich dort war, hatte ich die Gelegenheit, die Bekanntschaft mit dem Bengalenuhu Ullu zu machen. Was mich total erstaun hat damals, war wie leicht diese doch recht großen Vögel sind. Das Gelände ist sehr weitläufig, hier kann man gut einen Tag genießen. Es gibt kleine Cafés, in denen man sich stärken kann und den Farmer's Market, wo man neben vielen Leckereien auch sehen wie der Burren Cheese hergestellt wird. Den kann man dort natürlich auch kaufen.

Ansonsten gibt es noch das Newtown Castle, ein alter Burgturm, wo verschiedene Events statt finden sowie den Ballyvaughan Pier, an dem man schön am Meer entlang laufen kann zum Birds Hide. Das ist eine kleine versteckte Ecke, hinter deren Dickicht ein ruhiges und schönes Plätzchen mit einer Bank mit Meerblick zum verweilen und Vögel beobachten einlädt. Ganz bekannt ist auch die Tea Junction, ein kleines Café, in das ich es leider nicht geschafft habe. An dessem Hauswand steht der wohl meist fotografierteste Wegweiser Irlands. 

 

Die Cliffs of Moher sind die wohl bekanntesten Klippen Irlands
Die Cliffs of Moher sind die wohl bekanntesten Klippen Irlands

Ballyvaughan eignet sich gut als Basislager, von wo aus man einige schöne Tagesausflüge machen kann. Wer genug hat von Steinmauern und Mondlandschaft, für den geht es in das Nachbarstädtchen Ennis. Ennis lockt mit netten Einkaufsstraßen und bunten Gässchen sowie dem Clare Museum, wo man allerlei über die Geschichte des Countys, aber auch über die Stadt Ennis selber, erfährt. Es gibt einen Fluss, der durch die Stadt führt. Hier lässt es sich gemütlich verweilen. Wer mehr Stadtflair und vor allem Nachtleben braucht, für den ist Galway genau das richtige! Aber das würde hier den Rahmen sprengen, dafür gibt es noch einen extra Blogeintrag. Nur so viel: Galway liegt auf der anderen Seite der Galway Bay und ist mit knapp 80.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Dublins und gilt als die Stadt der Straßenmusiker, des atmosphärischen Nachtlebens und als Studentenstadt. Vor allem aber ist Galway meine Lieblingsstadt, aber dazu demnächst mehr!

 

Ob von Galway oder Ballyvaughan, die Cliffs of Moher sind das Wahrzeichen der Westküste! Sie erstrecken sich über mehr als acht Kilometer und haben eine Höhe von etwa 120 Metern. Die Klippen sind nicht abgesichert, Besucher können aber auf einem halbwegs gefestigten Weg an den Klippen entlang laufen. Am höchsten Punkt der Klippen steht der O'Brians Tower, ein Aussichtsturm. Hier befindet sich auch ein Visitor Center mit Informationen und Einkehrmöglichkeit. Die meisten Vorbeifahrenden drehen an der Plattform um, nachdem sie einen Blick hinunter riskiert haben. Doch um die Klippen in ihrer vollen Schönheit wahrzunehmen, sollte man schon ein Stückchen entlang laufen. Wenn man am Tower anfängt und am Ende wieder umkehrt läuft man schätzungsweise drei Stunden. Je nachdem wie viele Fotostopps man einbaut vielleicht auch vier. Die Klippen sind wie ein Sinnbild für das raue und wilde Irland. Hier wurde übrigens auch Harry Potter Teil sechs gedreht, der Part wo Dumbledore und Harry sich gemeinsam auf die Suche nach dem Horkrux-Kelch machen. Vielleicht erinnert sich ja jemand. :-D

Liebevoll eingerichtet: Cappabhaile House.
Liebevoll eingerichtet: Cappabhaile House.

Ein letzter Ausflugspunkt führt heraus aus dem County Clare in das County Galway, fünf Kilometer von dem Örtchen Gort entfernt. Hier steht das Kloster Kilmacduagh. Oder besser, das was davon übrig geblieben ist. Denn heute ist Kilmacduagh eine Ruine. Immerhin sind sowohl der Friedhof, als auch der Rundturm noch gut erhalten. Der Rundturm ist übrigens der best erhaltenste Rundturm Irlands. Teilweise erhalten ist die Kirche Temple Mary sowie die O'Heynes Church mit ihrem Torbogen. Ein mystischer Ort! Das Geländer wird von einem Tor verschlossen, den Schlüssen gab es vor Ort bei einer der Anwohnerinnen. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung nach Gort, wo man sich in einem der kleinen Cafés stärken und den Ausflug ausklingen lassen kann. 

 

Wer es tatsächlich bis hier hin geschafft hat: Herzlichen Glückwunsch! :-) Ich hoffe ich konnte euer Interesse für meine Lieblingsgegend in Irland wecken! Vielleicht habt ihr Lust, selber einmal nach Ballyvaughan zu fahren. Den Burren solltet ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen!

Ein kleiner Übernachtungstipp: Wir haben sechs Wochen lang in Conor & Margarets B&B, dem Cappabhaile House, gewohnt und gearbeitet. Es ist wirklich nur wärmstens zu empfehlen, tolle und luxuriöse Zimmer.  Die Frühstücksauswahl ist auch nicht ohne, nirgends in Irland hat mir der Bacon oder der Porridge so gut geschmeckt wie dort. Grüßt Conor von mir, falls ihr dort vorbei schaut. Mehrmals die Woche laden er uns seine Brüder ins Foyer des B&Bs zu traditioneller irischer Live-Musik. Aber seid gewarnt: Hat er euch einmal in ein Gespräch verwickelt, kommt ihr da so schnell nicht mehr raus! :-)

 

Wer jetzt nicht genug von Irland bekommen kann und mehr über die Insel wissen möchte, findet in meinem Feature alles rund um die grüne Insel.

 

Und jetzt noch viel Spaß mit der Fotogalerie. 

Bildergalerie Burren

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Kommentare: 1
  • #1

    DB (Sonntag, 05 März 2017 18:43)

    Hola Christina,
    toller Bericht. Klasse Fotos.
    Weiter so.
    DB